00:00:33: Dirk Leopold: Gut, wir sind schon live.
00:00:34: Dirk Leopold: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des itemis Podcasts.
00:00:39: Dirk Leopold: Worum geht es heute? Es geht um die Frage: Ihr Produkt bald illegal?
00:00:43: Dirk Leopold: Hier geht es um den EU Cyber Resilience Act (CRA).
00:00:48: Dirk Leopold: Wie betrifft das kleine und mittlere Unternehmen?
00:00:53: Dirk Leopold: Warum haben wir uns für dieses Thema entschieden?
00:00:57: Dirk Leopold: Zum einen ist der CRA bereits in Kraft getreten.
00:01:01: Dirk Leopold: Das heißt, es ist sozusagen geltendes Recht.
00:01:05: Dirk Leopold: Auch wenn die volle Bandbreite erst 2027 zum Handeln zwingt.
00:01:10: Dirk Leopold: Wir lernen gleich noch mehr, welche Stufen es hier gibt.
00:01:14: Dirk Leopold: Warum noch? Auch itemis ist ein kleines und mittleres Unternehmen.
00:01:19: Dirk Leopold: Und auch unsere Softwareprodukte werden davon betroffen sein.
00:01:24: Dirk Leopold: Ich beschäftige mich seit fast 10 Jahren mit Cyber Security.
00:01:29: Dirk Leopold: Wenn es neue Regelungen gibt, führt man die nicht am Wochenende ein.
00:01:34: Dirk Leopold: Da müssen Prozesse angepasst und Personen involviert werden.
00:01:39: Dirk Leopold: Ich habe gesehen, was passiert, wenn man das unterschätzt.
00:01:44: Dirk Leopold: Das sollte man im Kontext CRA nicht unterschätzen.
00:01:49: Dirk Leopold: Wir beschäftigen uns mit Security und sind 27001 zertifiziert.
00:01:54: Dirk Leopold: TISAX ist ein Thema, weil wir im Automobilumfeld unterwegs sind.
00:01:59: Dirk Leopold: Wir haben auch schon einen Secure Software Development Lifecycle.
00:02:04: Dirk Leopold: Für uns wird es machbar sein, den CRA zu erfüllen.
00:02:09: Dirk Leopold: Aber wer sich bisher nicht damit befasst hat, sollte jetzt aufwachen.
00:02:14: Dirk Leopold: Deshalb der reißerische Titel: Ist Ihr Produkt bald illegal?
00:02:19: Dirk Leopold: Wer den CRA noch nicht kennt, sollte sich damit beschäftigen.
00:02:24: Dirk Leopold: Ich habe Experten eingeladen, die sich am besten selber vorstellen.
00:02:29: Dirk Leopold: Fangen wir hier vorne an mit Michael.
00:02:40: Michael Happ: Guten Tag, mein Name ist Michael Happ. Ich bin Berater zum CRA.
00:02:44: Michael Happ: Ich bringe 20 Jahre Erfahrung in der Produktentwicklung mit.
00:02:49: Michael Happ: Ich habe Produktlebenszyklus-Management beraten.
00:02:54: Michael Happ: Seit der CRA als Draft draußen ist, beschäftige ich mich intensiv damit.
00:02:59: Michael Happ: Ich begleite Unternehmen auf der Reise von: Bin ich betroffen?
00:03:04: Michael Happ: Hin zu: Wie sieht eigentlich ein Handlungsplan aus?
00:03:09: Michael Happ: Wie stelle ich mich dem Thema strategisch auf?
00:03:18: Max Schubert: Max Schubert, Mitgründer und Geschäftsführer der INCYDE GmbH.
00:03:22: Max Schubert: Wir sind auf OT-Security im industriellen Umfeld spezialisiert.
00:03:27: Max Schubert: Wir begleiten Betreiber und Hersteller, maßgeblich im Bahnumfeld.
00:03:32: Max Schubert: Bei der Implementierung der richtigen IT-Security-Maßnahmen.
00:03:37: Max Schubert: Um CRA-Anforderungen und NIS-2-Anforderungen umzusetzen.
00:03:42: Max Schubert: Ich schreibe auch an einer europäischen Guideline im Rail-Umfeld mit.
00:03:47: Max Schubert: Ich freue mich, den Sektor bei der Umsetzung zu begleiten.
00:03:52: Tim Scherer: Mein Name ist Tim Scherer. Ich beschäftige mich Jahre mit dem CRA.
00:03:56: Tim Scherer: Damals bei Siemens, mittlerweile bei Microchip Technology.
00:04:01: Tim Scherer: Ich habe auch den ersten Draft des CRA gelesen.
00:04:06: Tim Scherer: Ich arbeite an Standardisierungsthemen für die Halbleiterindustrie mit.
00:04:11: Tim Scherer: Beim technischen Komitee TC74X bei CEN und CENELEC.
00:04:16: Tim Scherer: Ich treibe das Thema CRA intern bei Microchip Technology voran.
00:04:21: Tim Scherer: Wir sind ein großer Hersteller von Halbleitern und Mikrocontrollern.
00:04:26: Tim Scherer: Produkte digitaler Art, die von dem CRA betroffen sind.
00:04:31: Tim Scherer: Ich freue mich heute hier dabei zu sein.
00:04:40: Dirk Leopold: Wir haben drei Experten hier sitzen. Fangen wir mal an.
00:04:45: Dirk Leopold: Was ist überhaupt der Cyber Resilience Act und die Motivation?
00:04:50: Michael Happ: Der CRA ist eine EU-Regulierung zur Cybersicherheit in Unternehmen.
00:04:55: Michael Happ: Es gibt Regulierungen für Automotive oder medizinische Geräte.
00:05:00: Michael Happ: Aber viele Produkte im EU-Markt sind bisher nicht reguliert.
00:05:05: Michael Happ: Mit selbstgestellten Anforderungen hat das nicht gut geklappt.
00:05:10: Michael Happ: Deswegen gibt es jetzt ein flächendeckendes Gesetz, den CRA.
00:05:15: Michael Happ: Jedes digitale Produkt muss ein Mindestniveau an Cybersicherheit haben.
00:05:20: Michael Happ: Der Cyber Resilience Act ist bereits in Kraft getreten.
00:05:25: Michael Happ: Es ist ein direkt regulierendes Gesetz für Unternehmen.
00:05:30: Michael Happ: Bis Dezember 2027 haben die Firmen Zeit für Veränderungen.
00:05:35: Michael Happ: Nächstes Jahr gibt es Meldepflichten für Schwachstellen und Vorfälle.
00:05:40: Dirk Leopold: Das hat was mit dem CE-Kennzeichen zu tun?
00:05:45: Michael Happ: Ja, wie bei Sicherheitsanforderungen für Spielzeuge.
00:05:50: Michael Happ: Der CRA führt das jetzt für die Cybersicherheit aus.
00:05:55: Michael Happ: CRA-konforme Produkte brauchen dann auch ein CE-Kennzeichen.
00:06:00: Dirk Leopold: Okay. Wer ist betroffen und welche Produkte sind es genau?
00:06:10: Max Schubert: Produkte mit digitalen Elementen, die Daten verarbeiten.
00:06:15: Max Schubert: Die eine Schnittstelle haben, auf die man zugreifen könnte.
00:06:20: Max Schubert: Das geht bei Chips los und geht hoch bis zu ganzen Systemen.
00:06:25: Max Schubert: Jede Integrationsstufe, ob Chip, Router oder Schienenfahrzeug.
00:06:30: Max Schubert: KMUs und Konzerne sind gleichermaßen in der Pflicht.
00:06:35: Max Schubert: Das gilt für die EU und Anbieter auf dem europäischen Markt.
00:06:45: Dirk Leopold: Was hat das für Konsequenzen, wenn ich das nicht mache?
00:06:50: Tim Scherer: Es werden Strafen ausgehangen, ähnlich wie bei der DSGVO.
00:06:55: Tim Scherer: Es gibt drei Kategorien von 5 bis 15 Millionen Euro.
00:07:00: Tim Scherer: Oder ein Prozentsatz des weltweiten Unternehmensumsatzes.
00:07:05: Tim Scherer: Das betrifft Falschangaben oder operative Fehler wie fehlendes CE.
00:07:10: Tim Scherer: Auch die mangelnde Umsetzung der Sicherheitsanforderungen wird bestraft.
00:07:15: Tim Scherer: Schlimmer ist jedoch, wenn das Produkt nicht mehr verkauft werden darf.
00:07:20: Tim Scherer: Oder ein Rückruf erfolgt. Das bedeutet enorme Geldeinbußen.
00:07:25: Tim Scherer: Und natürlich ein massiver Vertrauensverlust als Hersteller.
00:07:40: Dirk Leopold: Wenn ich mein Produkt nicht verkaufen kann, ist das ein riesiger Schaden.
00:07:45: Dirk Leopold: Was sind denn die Hauptanforderungen an einen Produzenten?
00:07:50: Michael Happ: Ich unterscheide da grundsätzlich in zwei Ebenen.
00:07:55: Michael Happ: Erstens produktbezogene Maßnahmen: die wesentlichen Sicherheitsanforderungen.
00:08:00: Michael Happ: Die muss ich anwenden, nachweisen und dokumentieren.
00:08:05: Michael Happ: Das sind rund 21 Anforderungen aus den beiden Anhängen.
00:08:10: Michael Happ: Zweitens die Voraussetzungen: z. B. Schwachstellenmanagement.
00:08:15: Michael Happ: Auch der Produktentwicklungsprozess muss angepasst werden.
00:08:20: Michael Happ: Man muss die Organisation und Kommunikationswege anpassen.
00:08:25: Michael Happ: Prüft zuerst die Betroffenheit für eure Produkte.
00:08:30: Michael Happ: Wenn betroffen, dann bildet ein Team und einen Handlungsplan.
00:08:40: Dirk Leopold: Max, wie funktioniert das Zusammenspiel im Bahnumfeld?
00:08:45: Max Schubert: Es gibt kein Fire and Forget, es ist eine lebenslange Aufgabe.
00:08:50: Max Schubert: Man muss die Kategorisierung seiner Produkte selbst definieren.
00:08:55: Max Schubert: Und aktiv mit den Kunden in Kontakt treten.
00:09:00: Max Schubert: Über das CE-Kennzeichen erklärt man Konformität und Bedingungen.
00:09:05: Max Schubert: Man stellt Produkte für bestimmte Anwendungszwecke her.
00:09:10: Max Schubert: Deswegen ist die kaskadierte Kommunikation extrem wichtig.
00:09:15: Max Schubert: Ein Chip-Hersteller möchte ja, dass sein Produkt integriert wird.
00:09:20: Max Schubert: Man sollte aktiv kommunizieren: So erfülle ich den CRA.
00:09:25: Max Schubert: Dann können Integratoren deutlich leichter damit arbeiten.
00:09:30: Max Schubert: Harmonierte Standards werden genau diesen Weg vorschlagen.
00:09:35: Max Schubert: Kommunikation ist im B2B-Umfeld extrem wichtig.
00:09:40: Dirk Leopold: Also Empfehlung an KMUs: Geht selber auf eure Abnehmer zu.
00:09:45: Max Schubert: Absolut. Nutzt die Chance und füllt diese Lücke.
00:09:50: Max Schubert: Bis zum Stichtag 2027 sind es nur noch zwei Jahre.
00:10:00: Dirk Leopold: Irgendwas tritt doch schon im September nächsten Jahres in Kraft?
00:10:05: Tim Scherer: Die Meldepflichten für Hersteller ab dem 11. September 2026.
00:10:10: Tim Scherer: Das betrifft auch Produkte, die jetzt schon am Markt sind.
00:10:15: Tim Scherer: Bekannte Schwachstellen müssen an das BSI gemeldet werden.
00:10:20: Tim Scherer: Das geht an die nationalen CSIRTs.
00:10:35: Tim Scherer: Eine Schwachstelle muss innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.
00:10:40: Tim Scherer: Innerhalb von 72 Stunden folgen weitere Details.
00:10:45: Tim Scherer: Und nach einem Monat der finale Abschlussbericht.
00:10:50: Dirk Leopold: Unternehmen müssen also Schwachstellen auf dem Schirm haben.
00:11:05: Max Schubert: Es geht um Sicherheitsvorfälle und ausgenutzte Schwachstellen.
00:11:10: Max Schubert: Man muss zumindest die Meldung von Vorfällen ermöglichen.
00:11:15: Tim Scherer: Ein PSIRT übernimmt diese Koordination im Unternehmen.
00:11:25: Tim Scherer: Man braucht eine koordinierte Stelle nach außen hin.
00:11:35: Dirk Leopold: Muss ich schon anfangen oder auf 100 Prozent Informationen warten?
00:11:45: Tim Scherer: Man kann sich heute schon an gängigen Standards orientieren.
00:11:50: Tim Scherer: Wie etwa der IEC 62443 oder der 21434 für Automotive.
00:11:55: Tim Scherer: Das bereitet einen schon sehr gut auf den CRA vor.
00:12:00: Tim Scherer: Schaut euch dazu Webinare von CEN-CENELEC an.
00:12:10: Max Schubert: Die 62443 ist seit Jahren der Standard im Bahnumfeld.
00:12:15: Max Schubert: Entwicklungsprozesse, Risikomanagement und Systemanforderungen.
00:12:25: Max Schubert: Bitte nicht warten, sondern Security by Design jetzt etablieren.
00:12:35: Michael Happ: Das Wichtigste ist das Risikomanagement als Ankerpunkt.
00:12:40: Michael Happ: Man muss individuell auf seine Produkte schauen.
00:12:45: Michael Happ: Nutzt die gängigen Normen und Best Practices jetzt schon.
00:12:50: Max Schubert: Im industriellen Umfeld gibt es oft Safety-Anforderungen.
00:12:55: Max Schubert: Security by Design erlaubt Updates ohne ständige Rezertifizierung.
00:13:00: Max Schubert: Man sollte Produkte geschichtet aus Hardware und Software entwickeln.
00:13:10: Max Schubert: Wer es von vornherein mitdenkt, spart am Ende viel Geld.
00:13:20: Tim Scherer: Hersteller haben schon frühzeitig Security-Chips eingeplant.
00:13:25: Tim Scherer: Um Produkte in Zukunft CRA-ready zu machen.
00:13:35: Tim Scherer: Für Standardprodukte ist oft ein Self-Assessment möglich.
00:13:40: Dirk Leopold: Wie gehen wir mit Produkten um, die wir schon gebaut haben?
00:13:50: Michael Happ: Bestandsprodukte fallen zunächst nur unter die Meldepflichten.
00:13:55: Michael Happ: Aber Vorsicht bei signifikanten Modifikationen nach 2027.
00:14:05: Michael Happ: Dann gilt das wie ein neu in Verkehr gebrachtes Produkt.
00:14:10: Dirk Leopold: Man könnte also durch ein Update die CE-Zertifizierung verlieren.
00:14:15: Max Schubert: Bestand bedeutet, das Produkt wurde bereits in Verkehr gebracht.
00:14:25: Max Schubert: Ein Integrator wird ungern alte Produkte ohne Security kaufen.
00:14:35: Max Schubert: Wenn Daten verarbeitet werden, ist das Produkt betroffen.
00:14:45: Dirk Leopold: Es gibt keine feste Größe, bei der man rausfällt.
00:14:50: Tim Scherer: Die wesentlichen Anforderungen sind für alle Kategorien identisch.
00:14:55: Tim Scherer: Unterschiedlich ist nur die Art der Konformitätserklärung.
00:15:00: Tim Scherer: In der Default-Klasse kann man das selbst deklarieren.
00:15:05: Tim Scherer: Ab Klasse 2 muss eine Drittstelle die Prüfung durchführen.
00:15:15: Tim Scherer: Das kann durch Produktprüfung oder Qualitätsmanagement erfolgen.
00:15:25: Dirk Leopold: Man sollte sich aber dran halten, sonst greifen die Strafen.
00:15:35: Michael Happ: Ausgenommen sind Hobby-Produkte oder manche Open-Source-Software.
00:15:45: Max Schubert: Die Kosten hängen davon ab, wie viele Produkte betroffen sind.
00:15:55: Max Schubert: Externe Unterstützung kann die Sortierung am Anfang erleichtern.
00:16:10: Michael Happ: Die Entwicklungskosten bis zur Marktreife werden steigen.
00:16:15: Michael Happ: Kostenfreie Security-Updates für 10 bis 15 Jahre sind Pflicht.
00:16:20: Michael Happ: Das kann 5 bis 30 Prozent Aufschlag auf das Produkt bedeuten.
00:16:30: Dirk Leopold: Wie spielt CRA mit DORA zusammen?
00:16:50: Michael Happ: Es gibt Ausnahmen für bereits regulierte Produkte.
00:16:55: Michael Happ: Ein Medizinprodukt kann unter CRA fallen, wenn es nicht MDR-pflichtig ist.
00:17:05: Tim Scherer: Schaut am besten direkt in den Text des CRA rein.
00:17:10: Tim Scherer: Oder auf cyberstand.eu für offizielle Informationen.
00:17:20: Max Schubert: Tauscht euch auf Konferenzen mit anderen Herstellern aus.
00:17:35: Dirk Leopold: Wir wollen ein Forum für CRA-Betroffene aufbauen.
00:17:45: Dirk Leopold: Wir halten euch auf dem Laufenden. Vielen Dank an meine Gäste.
00:17:50: Michael Happ: Danke schön. Tschüss.