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Felix Lerche: Herzlich willkommen beim itemis PODIUM Camunda 7 ist tot – lang lebe OPERATON.

Felix Lerche: Wir freuen uns sehr heute mit zwei tollen Gästen das Thema BPMN und eine der wichtigsten BPMN Engines 2025 zu besprechen.

Felix Lerche: Kurz vorab: Ich glaube unter diesem Titel hat jeder erkannt, Camunda 7 hat diesen Jahr einen wichtigen Punkt erreicht: die Camunda 7 Community Edition hat tatsächlich den End of Life erreicht.

Felix Lerche: Das bedeutet für viele Unternehmen dass ihre geschäftskritischen Prozesse auf einer Engine laufen, die keine Updates mehr bekommt, keine Sicherheitsfixes und die auch nicht mehr weiterentwickelt wird.

Felix Lerche: Viele Unternehmen stehen jetzt vor der Frage: Wie geht es weiter? Camunda 8 steht bereit.

Felix Lerche: Camunda selbst hat damit aber ein anderes Produkt auf den Markt gebracht, mit einer kommerziellen Lizenz, Cloud-zentriert, sehr innovativ beworben, für viele Teams aber auch – ich denke, das ist – kann man sagen mit erheblichen Migrationsaufwänden verbunden.

Felix Lerche: Weil dort signifikante Dinge geändert worden sind und auch mit erheblichen Betriebskosten verbunden.

Felix Lerche: Wir wollen heute beleuchten, was die Alternativen sind, welche Bewegungen entstanden sind und vor allen Dingen die tolle Bewegung OPERATON beleuchten.

Felix Lerche: Ein Open Source Fork, aus der Community geboren, durch die Community weitergetragen. Dazu habe ich zwei tolle spannende Gäste, die dieses Thema heute mit mir diskutieren.

Felix Lerche: Das ist zum einen Tim Zöller. Freue mich sehr, dass du da bist, Tim.

Tim Zöller: Hallo, dankeschön.

Felix Lerche: Gründer der lambdaschmiede GmbH, einer der ersten, die gesagt haben: wir lassen OPERATON als neue Plattform entstehen, also du bist Initiator, du bist Core Contributor im OPERATON Projekt.

Felix Lerche: Aus dem Bedürfnis heraus, ein freies, nachhaltiges, technisch modernes Zuhause für BPMN Prozesse zu schaffen.

Felix Lerche: Und auf der anderen Seite freue mich sehr Karsten Thoms.

Karsten Thoms: Hallo.

Felix Lerche: Kollege von uns bei itemis, Principal Software Engineer bei itemis und ebenfalls einer der zentralen Contributor im OPERATON Projekt.

Felix Lerche: Wir schauen uns heute an was für euch das OPERATON Projekt bedeutet und freue mich sehr ein bisschen mehr zu verstehen was OPERATON auszeichnet aus eurer Sicht, was OPERATON benötigt aktuell und wie Kunden momentan dieses Projekt wahrnehmen als Zukunft für Prozessautomatisierung.

Felix Lerche: Ich selbst bin Felix Lerche, ich bin der Moderator heute, ich leite bei itemis Vertrieb und Kommunikation und möchte durch verschiedene Themen führen.

Felix Lerche: Zum einen motivieren: was war der Impact von Camunda 7 CE End of Life, die Bedeutung von OPERATON, wie sicher ist die Migration für Unternehmen heute, wenn sie nach Alternativen suchen und vor allen Dingen: wie sieht die Zukunft von BPMN zukünftig aus?

Felix Lerche: Eins ist klar: für viele Unternehmen ist das jetzt ein extrem wichtiger einschneidender Moment, viele schauen sich gerade nach Alternativen um und OPERATON ist eine sehr vielversprechende Heimat und Zukunft für Prozessautomatisierung.

Felix Lerche: Dann lass uns doch direkt einsteigen mit dem ersten Punkt: Ich würde gerne mal verstehen, warum OPERATON, was ist die Bedeutung des End of Life von Camunda? Vielleicht an dich Tim, als Initiator: was war aus deiner Sicht der Auslöser OPERATON zu gründen? Wann war der Moment, wo klar war, es braucht einen neuen Fork?

Tim Zöller: Ich weiß gar nicht mehr so genau wann das ganze Thema das erste Mal aufkam, aber ich bin jetzt seit 2017 mit damals noch Camunda bei verschiedenen Kunden im Einsatz, hab seit 2014 verschiedene BPMN und Workflow Engines in Benutzung gehabt.

Tim Zöller: Das heißt: das war schon ein relativ starker Teil von meiner professionellen Identität, aber das ist schon das was ich getan habe und was ich auch versucht habe nach außen zu tragen. Ich kann Kunden halt helfen, damals noch mit meiner alten Firma, seit 2021 bin ich selbständig, Prozesse zu optimieren, Prozesse zu implementieren.

Tim Zöller: Und war dann auch bei verschiedenen Kunden im Einsatz, als es dann hieß: übrigens die Camunda 7 Version, die ist jetzt abgekündigt worden, Community Edition End of Life 2025.

Tim Zöller: Und hab dann auch bei einigen Kunden dann die Reaktion mitbekommen dürfen und die waren durch die Bank weg erstmal nicht unbedingt glücklich. Das hat gar nichts damit zu tun, dass Camunda 8 irgendwie eine schlechtere Prozessengine wäre oder dass es keine Daseinsberechtigung gibt. Es ist ein gutes Produkt, für viele.

Tim Zöller: Aber es hatte damit zu tun dass viele gesagt haben: wir sind jetzt hier seit fünf, sechs Jahren am implementieren unserer Prozesslandschaft mit Camunda 7 und da war eigentlich gar nicht so – die haben sich jetzt nicht unbedingt gefreut dass sie jetzt auf ein anderes Produkt migrieren sollen und haben diese Aufwände schon sehr stark gesehen.

Tim Zöller: Und irgendwann ist man dann halt auch so ein bisschen ins Gespräch gekommen mit anderen Leuten aus dem ganzen Community Umfeld und haben dann auch nochmal so ein bisschen abgewartet und gesagt: vielleicht wird das Tool nochmal einer Open Source Foundation übergeben, vielleicht wird es nicht einfach eingestellt.

Tim Zöller: Aber als wir dann nochmal mit einem Verantwortlichen bei Camunda selbst sprechen konnten und gefragt haben, wurde uns gesagt: nee, der End of Life, der ist geplant, der ist durch, wir werden das GitHub Repo archivieren, es wird einfach nicht fortgesetzt.

Tim Zöller: Haben wir gesagt: gut, dann muss wohl jemand was tun. Und haben wir uns entschieden: wir versuchen es einfach mal, wir starten jetzt mal den Fork, wir versuchen eine Community zu finden. Wenn es nicht funktioniert, haben wir nicht viel verloren und wenn es funktioniert haben wir halt eine gute Grundlage das ganze weiterzuführen.

Felix Lerche: Super, vielen Dank. Das ist der wichtigste Auslöser: wenn Kunden so ein Feedback geben. Was ist denn aus deiner Sicht die Bedeutung von OPERATON für eben genau diese Entwickler, die Camunda 7 geliebt haben?

Tim Zöller: Ich glaube die Bedeutung ist ganz banal erstmal, dass man die bekannten Architektur-Pattern, die bekannten Programmier-Pattern einfach weiterführen kann. Dadurch dass wir ein Fork sind mit minimalen Änderungen durch die Umbenennung kann man die existierenden Applikation das Know-how was man hat einfach migrieren auf die neue Plattform.

Tim Zöller: Man kann entweder existierende Applikationen damit weiterführen oder wenn man neue Applikationen bauen möchte kann man das über lange Jahre erworbene Know-how einfach einsetzen und das Ganze so weiterführen. Man kennt die Use Cases, man kennt die Architektur und muss nicht auf ein neues Tool wechseln. Und damit gibt es halt natürlich Sicherheit.

Felix Lerche: Karsten, dich würde ich gerne fragen: darauf aufbauend was sind für dich die Werte und Prinzipien aus Camunda 7, die ihr unbedingt erhalten wolltet in OPERATON, die wichtig sind für das Projekt?

Karsten Thoms: Camunda selbst ist ja ein sehr ausgereiftes Produkt und auch wirklich stabil, es ist gut verstanden, es ist super dokumentiert, es ist einfach von der Qualität her extrem gut für ein Open Source Projekt.

Karsten Thoms: Und das einfach einzustampfen, das wäre echt zu schade, es ist einfach "too good to go". Und es ist einfach nur logisch dass man dieses Produkt auch weiter fortführen muss.

Karsten Thoms: Klar, man merkt auch ein bisschen Historie an. Camunda selbst ist ja wiederum ein Fork aus Activiti und Activiti war irgendwie 2010 gegründet worden. Das heißt also wir haben jetzt hier eine Historie der Codebasis die auf 15 Jahre schon zurückblickt und vollkommen natürlich baut sich dann entsprechend ein paar Schulden auf.

Karsten Thoms: Aber insgesamt wenn man mal auf den Code schaut ist der extrem gut erhalten für ein so langläufiges Open Source Projekt und deutlich besser dokumentiert als typische Open Source Projekte.

Karsten Thoms: Es ist einfach gut das weiter zu erhalten. Und es macht ja genau das was es tun soll, viele Anwender brauchen eigentlich nichts anderes. Es ist eine Engine die sehr robust ist, die zuverlässig ist, die gut verstanden ist und die mittlerweile auch weltweit im Einsatz ist in Unternehmen für extrem geschäftskritische Prozesse die darauf laufen.

Karsten Thoms: Und warum nicht einfach das weiter fortführen?

Felix Lerche: Was noch mal die Bedeutung unterstreicht warum OPERATON so ein wichtiges Projekt ist. Aber bedeutet das jetzt dass es keine großen Herausforderungen gab bei der Modernisierung, beim Refactoring, oder gab es die doch?

Karsten Thoms: Grundsätzlich gab es natürlich viel zu tun. Das war eigentlich eines der ersten Dinge die wir halt überlegt haben: was machen wir eigentlich mit diesem Fork? Ja klar, man kann jetzt einfach diesen Fork nehmen und neu publizieren unter dem neuen Namen und erstmal hat man eine stabile Engine die auch funktioniert.

Karsten Thoms: Aber man kann halt mehr machen. Ich ziehe da immer ganz gern den Vergleich heran: so einen Scheunenfund eines Autos. Ich spiele auch gern auf der Xbox Forza Horizon, da findet man ab und zu mal so eine Scheune, da steht ein richtig altes, angestaubtes Auto drin.

Karsten Thoms: Aber so richtig so einen Dodge Viper oder sowas und man muss das Ding halt einfach nehmen – es ist eine gute Engine. Und dann kann man halt zwei Dinge tun: man kann es einfach durch die Waschstraße fahren und sagen: ja okay, funktioniert, aber man repariert halt nicht wirklich was.

Karsten Thoms: Oder man kann halt wie so ein Tuner eben halt daran gehen und sagen: ja, dieses Produkt hier machen wir zunächst einmal staubfrei und wir polieren das auch, wir drehen alles von links auf rechts und sehen zu dass es eben halt komplett renoviert wird.

Karsten Thoms: Aber ohne die Substanz in irgendeiner Form zu verändern. Das ist so die Herausforderung gewesen: was können wir tun um das Produkt vollständig zu modernisieren ohne dass wir das Risiko eingehen dass bestehende Anwender damit brechen?

Karsten Thoms: Dass sie wirklich das Produkt auch so nehmen können und im Prinzip Camunda runterfahren, OPERATON hochfahren können.

Karsten Thoms: Und es hat sich herausgestellt dass wir eine ganz, ganz, ganze Menge machen können. Erst einmal ging es ja auch darum zu entscheiden: ja, was ist an dem Produkt was wirklich auch weg kann? Das ist jetzt die Chance dass man etwas abschneiden kann.

Karsten Thoms: Camunda konnte das niemals tun: Wir haben halt Kunden die ja noch auf alten Applikation-Servern arbeiten und so weiter und natürlich auch das erhalten möchten. Wir als neues Produkt haben die Chance zu sagen: nee, hier machen wir mal tatsächlich einen Cut.

Karsten Thoms: Und das haben wir dann halt auch getan. Wir haben alles was jetzt Java EE angeht, alte Applikation-Server haben wir weggeschnitten und die gesamte Codebasis in dieser Hinsicht renoviert und auch alle Dependencies die dazu gehören haben wir aktualisiert und im Prinzip alles modernisiert.

Karsten Thoms: Aber gleichzeitig eben halt ohne dass Anwender davon betroffen sind, weil wir nämlich das Datenbankschema exakt gleich gehalten haben. Die REST-API ist exakt die gleiche, das ist das wo die meisten Integrationen drauf aufsetzen. Die Plugin-API ist die gleiche.

Karsten Thoms: Also alles was Public API ist, ist erst mal erhalten, auch wenn es manchmal nicht optimal ist, da würden wir gerne auch mal aufräumen, aber können wir zu dem jetzigen Zeitpunkt halt nicht tun. Und was wir halt machen mussten ist halt über die gesamte Zeit, ist mittlerweile ja auch ein ganzes Jahr, alles was sich noch relevantes an dem Camunda Projekt tut auch noch zurückzuportieren dass wir halt auch Feature kompatibel sind.

Karsten Thoms: Und das haben wir jetzt auch erreicht. Wir haben jetzt die letzte Camunda Version haben wir adaptiert, die 7.21, wir sind vollständig Feature-komplett, wir sind mit dem gleichen Datenbankschema unterwegs, mit der gleichen API, aber unter der Haube alles was irgendwie ging aufgeräumt.

Felix Lerche: Also das finde ich ein gutes Stichwort was mich unheimlich interessiert. Ihr seid ja unheimlich aktiv im Moment das Projekt zu bewerben, spürt viel Resonanz im Markt. Du warst jetzt bei der Basel One, du bist regelmäßiger Speaker auf Events.

Karsten Thoms: Ich war letzte Woche auf der DevX in München genau und heute auf der JUG Paderborn noch.

Felix Lerche: Vielen Dank dass du das auf dich nimmst trotzdem noch hier bei uns zu sein neben deiner neben deinen anderen Verpflichtungen. Jetzt ist eine unheimlich starke Bewegung, unheimlicher Stein ins Rollen gekommen mit OPERATON, es ist sehr viel Aufmerksamkeit auf diesem Projekt.

Felix Lerche: Wie wichtig ist es dass OPERATON auch ein langfristiges stabiles Projekt ist und wie – was sind die Werkzeuge, was sind die Ideen die du hast um das sicherzustellen dass es ein langfristiges Projekt wird?

Tim Zöller: Natürlich ich halte es persönlich für sehr, sehr wichtig dass OPERATON ein langfristiges Projekt ist. Dass es – ich würde mich sehr freuen wenn es das in 20 Jahren auch noch gibt. Weil wenn man sich jetzt mal so die klassischen Anwender von Prozessengines anschaut, die lassen da ja auch oft langlaufende Prozesse drauf laufen.

Tim Zöller: Ich hab jetzt letzte Woche auf der DevX mit jemand sprechen dürfen, die haben langlaufende Prozesse, die laufen über Jahre hinweg. Und die überlegen gerade wie man sie auf eine neue Engine portieren könnte. Und ich glaube dass gerade die Anwender und Anwenderinnen die Prozessengines einsetzen schon Stabilität erwarten und eine Langfristigkeit.

Tim Zöller: Gerade jetzt nachdem die Community Edition von Camunda 7 abgekündigt wurde möchten natürlich die Anwender wissen dass sie auf eine Version migrieren die bitte jetzt nicht in drei Jahren weg ist, dass sie das Ganze nochmal machen müssen. Also da ist glaube ich – das wird als einer der wichtigsten Punkte wahrgenommen dass wir konstant sind, dass wir langlebig sind.

Tim Zöller: Dass wir nicht nächstes Jahr laufend Breaking Changes raushauen und sagen die alte Version ist jetzt nicht mehr unterstützt jetzt bitte nochmal migrieren und nochmal was neues. Also das halte ich für sehr, sehr essenziell.

Tim Zöller: Wie wir das schaffen würde ich sagen in erster Linie durch eine gesunde Community. Also zum einen durch Entwickler und Entwicklerinnen die bei uns in der Community mit dran arbeiten, die Interesse daran haben, die Spaß dran haben und dieses Know-how aufbauen.

Tim Zöller: Aber auch – und da sind wir auch grundsätzlich offen für – wie auch das Panel hier zeigt Mitarbeit von Unternehmen die sagen: okay, wir möchten daran mitarbeiten, wir haben entweder Produkte die auf OPERATON aufbauen die wir migrieren oder wir bieten das Ganze als Dienstleistung an.

Tim Zöller: Weil zum einen bringt das uns auch wieder Contributoren rein und zum anderen sehen Anwender und Anwenderinnen: aha, okay, da gibt es also Leute die verdienen ihr Geld damit, die haben auch ein Interesse dass es langlebig ist und das schafft glaube ich sehr, sehr viel Vertrauen. Und da sind wir jetzt auf einem guten Weg.

Tim Zöller: Ich glaube seit heute haben wir auf unserer Service Provider Seite auf operaton.org sechs oder sieben Service Provider schon drauf oder fünf oder sechs – ich hab jetzt die genauen Zahlen nicht im Kopf. Aber es wächst stetig und ich bin mir eigentlich ziemlich zuversichtlich dass da noch was dazu kommt die nächste Zeit.

Tim Zöller: Und das sehe ich so ein bisschen als die wichtigsten Punkte dass wir eine starke Community haben, aber auch wirklich Unternehmen die mit einem Interesse haben dass das Ganze weiter existiert und zusammenwächst. Dass wenn einer vielleicht mal rausfallen sollte – wollte jetzt morgen Unternehmen A sagen: nee, wir sind jetzt raus, das hat sich für uns nicht ergeben – dass dann halt noch drei oder vier da sind.

Tim Zöller: Zusätzlich mit den Privatcontributoren die natürlich sehr, sehr viel leisten, dass eigentlich immer jemand einspringen kann wenn einer nicht mehr kann oder nicht mehr will.

Felix Lerche: Karsten jetzt haben wir viel darüber gehört was OPERATON bietet, warum es interessant sein kann für Unternehmen sich damit zu beschäftigen dahin zu migrieren. Wie schwierig ist das denn oder wie leicht ist das?

Felix Lerche: Du hast ein bisschen darüber gesprochen dass ihr schon drauf geachtet habt dass ihr möglichst nahtlos Konzepte weiterführt, auch wenn ihr modernisiert. Welche Hilfen bietet ihr, welche Best Practices gibt es, gibt es irgendwelche Werkzeuge um jemanden der jetzt sagt: okay, das will ich ausprobieren, jetzt möchte ich mal meine Prozesse auf OPERATON migrieren. Was bietet ihr solchen Entwicklern und Unternehmen an?

Karsten Thoms: Das ist eines der Kernziele halt gewesen von Anfang an dass wir gesagt haben: dieses Produkt muss quasi nahtlos ineinander übergehen. Das geht bis zu einem gewissen Punkt halt, was natürlich passiert ist und passieren musste war dass alles umbenannt wurde.

Karsten Thoms: Das heißt also Dependencies wurden umbenannt, Packages wurden umbenannt und wenn man Code hat der gegen diesen Code dann eben halt kompiliert, dann muss der natürlich geändert werden. Das muss jetzt kein aufwendiger Prozess sein sondern dafür haben wir Migrationsscripte entwickelt.

Karsten Thoms: Die führt man aus und dann ist im Prinzip die Codebasis schon automatisch eben halt modernisiert. Man darf eventuell exotische Dinge in einer privaten API vielleicht nicht benutzen – also es gibt auch Methoden die tatsächlich auch weggefallen sind tief drin, aber das ist normalerweise nichts was irgendjemand benutzt.

Karsten Thoms: Das heißt also Migration sieht ziemlich einfach aus: man sollte als erstes nach Möglichkeit auf Camunda 7.24 upgraden – auf den letzten Stand von Camunda. Damit hat man das aktuelle Datenbankschema und so weiter.

Karsten Thoms: Und in dem Augenblick kann man sein Produkt nehmen, die Migrationsscripte ausführen, die ändern halt entsprechend die ganzen Packages und Dependencies und dann ist man quasi fertig. Ich hatte im Mai hatte ich eine beeindruckende Demo gesehen in Amsterdam von der Firma Retensee, die halt auch einer der Service Provider hinter OPERATON sind.

Karsten Thoms: Die haben ein Produkt namens Baltimo was auf Camunda basiert und die haben uns in einem Talk in einer halben Stunde zeigen können was sie machen, warum sie migrieren und gleichzeitig die Migration live gemacht, inklusive auch mal einem Schluckauf beim Kompilieren.

Karsten Thoms: Und ja, die hatten dieses gesamte Produkt in einer halben Stunde eben halt auf OPERATON migriert und gestartet und dann konnte man sehen: okay, läuft.

Felix Lerche: Jetzt Tim, hattest du ein bisschen dazu gesprochen dass da gerade ein Ökosystem entsteht, dass eine Community entsteht, dass da aber auch natürlich kommerzielle Player mit drin sind, die Enterprise Kunden natürlich auch eine zusätzliche Unterstützung bieten. Wie verhindert ihr im OPERATON Projekt dass einseitige Interessen entstehen? Ist das ein Anliegen von euch?

Tim Zöller: Das ist ein Anliegen von uns. Ich war auch schon teils in Projekten die zwischen – also in Open Source Projekten – die zwischen den Interessen von ihren Firmen-Sponsoren so ein bisschen zerrieben wurden.

Tim Zöller: Dann ging es drum: okay, wer hat denn jetzt hier gerade das größere Gewicht? Wer stellt mehr Entwickler und kann seine Meinung durchdrücken? Sowas wollen wir auf jeden Fall verhindern.

Tim Zöller: Technisch können wir das erstmal verhindern: wir haben uns jetzt auch auf einen Prozess geeinigt wie wir schwerwiegende Architekturänderungen entscheiden. Das machen wir mit Architecture Decision Records. Das bedeutet: wenn ich jetzt persönlich der Meinung bin ich sehe etwas wo wir eine große Entscheidung treffen müssen, dann steht es mir frei so ein Architecture Decision Record zu schreiben.

Tim Zöller: Den darf jeder schreiben, der darf auch gerne von außerhalb des Projekts kommen oder von außerhalb der Core-Contributoren. Wenn jemand sagt er möchte sowas machen und da haben wir erstmal gesagt: okay, um solche Dinge zu verhindern und irgendwie eine Richtung zu finden müssen hier die Core-Contributoren, von denen muss ein gewisser Teil zustimmen.

Tim Zöller: Da gucken wir gerade noch so ein 100 Prozent Konsens ist natürlich immer schön wenn einer sagt: nee, das passt mir so gar nicht, dann muss es ja auch meistens einen Grund haben. Das heißt schwerwiegende Änderungen die akzeptieren wir jetzt nicht einfach mal so salopp, sondern wir schlagen die vor, wir diskutieren die im Kernteam sehr, sehr stark und einigen uns dann.

Tim Zöller: Und dadurch dass das Kernteam zumindest momentan sage ich jetzt mal keinen Überhang von einem Unternehmen hat und wir auch sehr, sehr drauf achten wer Core-Contributor wird. Das heißt: wenn jetzt morgen ein Unternehmen 20 Leute dafür stellen möchte, dann werden wir da glaube ich erstmal einen Gesprächsbedarf haben.

Tim Zöller: Dadurch schauen wir schon mal dass das Ganze auf einer Arbeitsebene bleibt. Die Leute die daran mitarbeiten, die von verschiedenen Hintergründen, von verschiedenen Kontexten kommen, die haben jetzt erst mal die Entscheidungsgewalt. Das zweite ist dass wir im Begriff sind einen Verein zu gründen.

Tim Zöller: Den haben wir schon lange angekündigt, da gab es ein paar Verzögerungen die sich jetzt aber dann doch langsam auflösen. Und hier wird es so sein dass wir auch Regelungen treffen wollen dass nicht ein großer Sponsor der viel Geld gibt auf einen Schlag irgendwie sehr viel Entscheidungsgewalt drin hat.

Tim Zöller: Da möchte ich jetzt noch nicht zu sehr ins Detail gehen weil wir in der Community die Satzung und die Vorgehensweisen auch noch nicht zu 100 Prozent geklärt haben, da möchte ich jetzt nichts ankündigen was am Ende nicht kommen wird, nicht so im Detail. Aber das ist uns ein großes Anliegen.

Felix Lerche: Das heißt dass das Hauptziel auch der Vereinsgründung ist es zu verhindern auch zu einem gewissen Maße dass ein bestimmtes Unternehmen zu viel Einfluss gewinnt und dass ihr diese Governance Mechanismen auf die ihr euch im Projekt geeinigt habt auch nachhaltig etabliert.

Tim Zöller: Genau, ist auf jeden Fall ein Ziel der Vereinsgründung. Das Hauptziel ist es eigentlich dass wir eine Entität haben die die Trademarks hält, die die Rechte quasi am Namen, an der Wort-Bildmarke hält und bei der dann halt auch unsere GitHub Repositorys, unsere gesamten Ressourcen, unsere Infrastruktur liegt.

Tim Zöller: Die nicht in der Hand von irgendwelchen Privatpersonen oder Unternehmen ist sondern dass das wirklich einem Verein, einer Community gehört und dass das dann da zentral abgelegt wird und wir damit auch einen Zugriff von Einzelpersonen, von Unternehmen unterbinden möchten.

Felix Lerche: Das ist für mich ein starkes Plädoyer für Transparenz. Wie wichtig ist Transparenz des Projekts? Wie wichtig ist das für den Erfolg von OPERATON aus deiner Sicht Karsten?

Karsten Thoms: Transparenz ist uns sehr wichtig. Wir versuchen möglichst alle Entscheidungen die wir treffen und auch alles was wir eben auch kommunizieren halt möglichst offen zu tragen. Das bedeutet dass wir Kanäle benutzen die jeder einsehen kann.

Karsten Thoms: Das ist einerseits halt unser Forum wo jeder eben halt sein Anliegen einbringen kann, was so einen eher persistenten Charakter hat. Und daneben benutzen wir Slack für so eher schnelle Kommunikation die aber auch flüchtiger sein darf.

Karsten Thoms: Also da wir sind da auf einem freien Plan und alles was länger älter ist als 90 Tage wird eh verworfen dort, aber darüber tauschen wir uns erst mal aus und entscheidende Dinge versuchen wir dann eben halt auch noch über unseren LinkedIn-Kanal zu publizieren.

Karsten Thoms: Aber nach Möglichkeit versuchen wir eben halt alles komplett öffentlich zu machen.

Felix Lerche: Jetzt haben wir schon viel dazu darüber gehört wie wichtig die Rolle der Community ist um dieses Projekt voranzutreiben, wie viel Arbeit da eigentlich dahinter steckt. Welche Wege gibt es denn jetzt für mögliche Interessenten sich zu beteiligen am Projekt?

Felix Lerche: Du hast schon über die Kommunikationskanäle gesprochen: Forum, Slack – sind das auch die Hauptkanäle über die man mit euch in Kontakt tritt oder wie findet das statt?

Karsten Thoms: Für die Kommunikation ja und natürlich auch über die Repositorys selbst. Es ist ja ein Open Source Projekt. Das heißt also alle Quellen liegen offen bei GitHub und wenn etwas auffällt, eine Idee existiert was zu ändern ist oder was zu beheben ist dann gibt es natürlich dort entsprechende Issues die man erstellen kann.

Karsten Thoms: Darüber wird dann halt auch kommuniziert, das ist auch ein Kanal der Kommunikation. Letzten Endes verstehen wir uns als Open Source Projekt das eine offene Kultur eben halt anstrebt und das bedeutet eigentlich: kann jeder mitmachen. Das verstehen manche tatsächlich nicht.

Karsten Thoms: Die fragen sich immer: ja und wie kann ich jetzt mitmachen? Ja einfach indem man etwas macht, das ist ganz einfach. Jeder kann jederzeit eine Änderung vorschlagen. Heißt erst mal nicht dass diese Änderung per se akzeptiert wird, sondern das ist auch durchaus wie in jedem Projekt an dem man sonst auch arbeitet ein Kommunikationsprozess.

Karsten Thoms: Man muss natürlich gucken dass alles zu den Strukturen wie das Projekt lebt halt auch funktioniert. Also das ist natürlich auch dokumentiert wie es sein sollte, aber nicht jeder liest alle Dokumentation durch bevor er irgendetwas macht und dementsprechend ist es auch ein Lernprozess.

Karsten Thoms: Ich würde auch jedem erst mal der sich wünscht beteiligt zu werden auch erst mal raten: macht erst mal die ganz, ganz kleinen Dinge. Man muss nicht hier Rocket Science machen und jetzt sagen ja ich möchte jetzt hier neue Entitäten einführen, das Datenbankschema ändern, was auch immer. Nee, es sind die vielen kleinen Dinge die man so tun kann.

Karsten Thoms: Daran kann man auch am besten lernen: wie funktioniert dieses der Prozess des Kontribuierens, was wird akzeptiert, was wird nicht akzeptiert, wie kommuniziere ich, wie bleibe ich im Austausch und je häufiger man das tut desto höher ist die Chance dass man dann irgendwann auch Teil des Projektes wird. Genauso bin ich auch zu dem Projekt gekommen.

Karsten Thoms: Also ich war ja nicht von Anfang an dabei. Tim war mit ein paar Leuten, die haben das initiiert und ich habe halt einfach gesagt: ja ich möchte diesem Projekt helfen und dann habe ich halt Contributions gemacht und Tim so sehr zugeballert bis er gesagt hat: nee, das ist mir zu viel, die Qualität stimmt, du wirst jetzt hier Committer.

Felix Lerche: Wenn wir jetzt ein bisschen den Blick in die Zukunft schweifen lassen und wir nehmen jetzt mal an – wir befinden uns gerade in der Umbruchsphase. Viele Unternehmen mit denen ihr sprecht migrieren gerade zu OPERATON, beschäftigen sich gerade mit zukunftssicheren Implementierung, das nachhaltig zu verankern. Wo geht die Reise hin? Was ist eure Vision für in fünf Jahren von OPERATON?

Felix Lerche: Welche Entwicklung gibt es momentan technologisch die OPERATON beeinflussen und was ist die technologische Vision von OPERATON für die Zukunft, wenn du das vielleicht mal abgrenzen könntest?

Tim Zöller: Also ich würde OPERATON in fünf Jahren an der Stelle sehen dass wir weiterhin mit allen gängigen modernen Frameworks interoperabel sind. Da stehen jetzt gerade viel Umbrüche an – gestern hatten wir das gerade in unseren internen Chat.

Tim Zöller: Technologien die wir benutzen: Testcontainers hat jetzt eine Version 2 mit Breaking Changes, es ist jetzt ganz aktuell ist Spring 7 mit Spring Boot 4 wird diesen Monat rauskommen, ich glaube nächste Woche. Das sind alles Dinge die sehen wir kommen, da arbeiten wir zum Teil auch schon dran dass wir damit kompatibel bleiben.

Tim Zöller: Und mit auch welcher Version in fünf Jahren von Quarkus, von Spring, vielleicht neue Frameworks die es gibt, die sich durchgesetzt haben, da hätte ich gerne oder bin mir sehr, sehr sicher dass wir da weiter kompatibel sind. Weil: du hast ja schon gesagt, wir haben den Oldtimer oder nicht den Oldtimer eigentlich das Rennauto in der Garage gefunden und jetzt ein bisschen aufpoliert.

Tim Zöller: Genau und jetzt ist es natürlich an uns dass es nicht wieder einstaubt, sondern dass wir halt schauen dass wir mit den modernen Begebenheiten die außenrum um uns passieren halt mitgehen und es ist nicht so dass wir jetzt die Engine einfach den Code so liegen lassen können und in fünf Jahren oder zehn Jahren werden das alle mit den neuen Begebenheiten, mit den neuen Frameworks benutzen können.

Tim Zöller: Da ist es glaube ich so die Hauptarbeit die wir momentan haben. Die technische Vision für das Produkt selbst: das ist auch was, das kann ich gerade gar nicht so richtig beantworten weil wir noch im Umbruch sind meiner Meinung nach. Also unser großer Tunnelblick war jetzt eigentlich erst mal die Version 1.0: maximale Kompatibilität, maximale Stabilität.

Tim Zöller: Und es gibt bei uns im Forum schon Diskussionen: wie könnte denn mal eine OPERATON 2.0 aussehen? Was könnte denn da drin sein? Heiße Kandidaten ohne dass ich jetzt irgendwie sagen möchte dass das kommen wird und da drin sein wird sind zum Beispiel der DMN 1.6 Standard.

Tim Zöller: Da gibt es auch schon Diskussion zu und erste Fühler die in die Richtung gesteckt werden oder sowas wie Ad-hoc-Subprozesse die im BPMN Standard drin sind die die Engine jetzt zum Beispiel zum Stand noch nicht kann. Also meine persönliche, ohne dass das jetzt eine Community-Antwort ist, Meinung ist dass wir da glaube ich ein bisschen Standard-konformer werden können.

Tim Zöller: Und dass wir einfach die Möglichkeiten die der BPMN Standard uns bietet und der DMN Standard uns bietet auch gerne nutzen können.

Felix Lerche: Wie stark wird das denn momentan von außen beeinflusst, von außen getrieben? Gibt es schon jetzt Unternehmen die schon aktiv Featurewünsche einbringen? Oder erwartest du dass das irgendwann mal dahin gehen könnte?

Tim Zöller: Ich erwarte schon dass das dahin gehen könnte. Wenn jetzt jemand zuguckt und sagt: ah, ich hätte da doch ein Featurewunsch, auch gerne auch heute schon. Wir versprechen nicht dass es kommt, wir versprechen nicht dass es dieses Jahr kommt. Aber ein Tool lebt natürlich davon dass es benutzt wird.

Tim Zöller: Und wenn die Leute die das Tool benutzen sagen: das Tool würde mir noch einen viel größeren Mehrwert bringen wenn es dieses Feature hätte, dann kann man da ja sehr, sehr gerne drüber reden.

Felix Lerche: Ich will vielleicht zwei Trendbegriffe noch mal ansprechen, die natürlich sehr, sehr stark auch gerade im Kommen sind: das ist zum einen der Punkt datenzentrierte Organisation. Also wir haben ja unheimlich viele Unternehmen bei denen eine datenzentrierte Strategie wichtig ist.

Felix Lerche: Welche Rolle spielen Schnittstellen für eben die Einbindung von datengetriebenen Prozessen?

Karsten Thoms: Grundsätzlich lebt eine Prozessengine ja nicht für sich selbst, sondern sie lebt damit dass in den Prozessen halt auch Dinge passieren die Interaktion mit Umsystemen erfordern. Und dafür bietet erst mal die Engine von sich aus eine Reihe von Konnektoren und Pattern an die das ermöglichen.

Karsten Thoms: Aber man kann natürlich da auch viel weiter denken und eben halt sagen okay, hier fehlt noch ein Konnektor für Kafka oder was auch immer. Also das sind bestimmt Dinge die gebraucht werden, die es halt jetzt so noch nicht gibt und die entstehen werden. Ob jetzt im OPERATON Projekt selbst oder außenrum ist noch nicht entschieden.

Karsten Thoms: Erstmal ist es so dass das OPERATON Projekt wie es jetzt ist sich auf die Engine an sich konzentriert und wir müssen sehr gut entscheiden bei jedem Feature was dazu kommt: können wir das maintainen? Haben wir die Ressourcen um das selbst zu maintainen oder ist das eher etwas was jemand anders außerhalb von OPERATON maintaint?

Karsten Thoms: Das wären typischerweise solche Plugins. Davon gibt es auch eine ganze Reihe bei Camunda die von interessant sind, eines davon haben wir integriert weil es einfach so eine zentrale Bedeutung hat nämlich Keycloak. Und andere da beobachten wir sehr selektiv was wird sehr, sehr häufig benötigt.

Karsten Thoms: Ist das etwas was wir dann integrieren und das heißt also auch dort forken und innerhalb von OPERATON weiter supporten oder ist das etwas was die ursprünglichen Maintainer dann eben halt weiter pflegen? Auch da gibt es verschiedene Ideen von bestehenden Pluginherstellern was sie damit machen.

Karsten Thoms: Letzten Endes wird in irgendeiner Form so eine Art Marktplatz geben Marktplatz – wir haben uns gestern darüber schon ausgetauscht ob das der richtige Begriff ist – aber es wird ein Ökosystem geben. OPERATON als Kern und drumherum einerseits Erweiterungen öffentlicher Natur oder auch kommerzieller Natur, das ist vollkommen egal.

Karsten Thoms: Es wird Produkte geben die auch kommerzielle Interessen verfolgen können. Es wird Plugins geben von Leuten die sagen: ich brauch hier etwas was eine nützliche Funktion bereitstellt, es wird zusätzliche Konnektoren geben und wir müssen das alles nur sichtbar machen und in irgendeiner Form dann eben bereitstellen.

Felix Lerche: Das ist ja jetzt auch schon in der Entstehung denke ich. Wir sehen ja jetzt schon auch dass Unternehmen die Werkzeuge mit Camunda 7 gebaut haben und jetzt mit OPERATON zukünftig bauen werden dass die sich natürlich auch mit einer spezifischen Lösung an eine bestimmte Industrie, an eine bestimmte Domäne richten.

Felix Lerche: Und dass denen natürlich ein wichtiges Anliegen ist auch bestimmte Datentöpfe, bestandsführende Systeme, die relevant sind – ich sag mal Versicherungsumfeld, Banking Umfeld – eben auch einzubinden.

Tim Zöller: Genau, da das habe ich auch als Teil von dem Talk mit dem ich momentan so auf allen Konferenzen und Usergroups hausieren gehe: das Schöne an OPERATON ist ja es kann ja alles anbinden was Java anbinden kann. Das heißt wenn man jetzt in seinem Unternehmen mannigfaltige Schnittstellen hat und wenn man mit Java SAP anbinden kann, dann kann man das natürlich auch mit OPERATON.

Tim Zöller: Oder wenn da noch ein EDIFACT steht oder man hat noch eine AS400 die irgendwo im Keller vor sich hinschnurrt und das Ganze dann irgendwie mit IMS anzubinden, das geht halt alles. Es ist ja nicht so dass die Nutzer und Nutzerinnen drauf angewiesen sind dass wir eine Integration bereitstellen für ihr Tool dass sie es nutzen können, sondern sie können es einfach selbst bauen.

Tim Zöller: Das ist ja auch das was in der Vergangenheit mit Camunda gemacht wurde. Also wahrscheinlich ist irgendwo auf der Welt mit einem Camunda 7 so ziemlich jede Technologie schon mal angebunden worden – natürlich proprietär und nicht Open Source – aber das ist ja alles schon da und mal gemacht worden.

Tim Zöller: Und dann ist halt die Frage: okay, was davon wird so oft benutzt dass man es vielleicht anbieten kann? Wie wir es jetzt halt mit dem Keycloak-Plugin gemacht haben, wo wir gesagt haben das war von jemanden von außerhalb von Camunda mal contributet worden und erstellt worden und wir haben es jetzt bei uns mit in die Hauptorganisation genommen weil wir sagen das ist schon sehr, sehr wichtig dass es da ist und es ist ein essenzieller Bestandteil von vielen Projekten.

Felix Lerche: Ein weiterer Treiber den wir natürlich erwähnen müssen – bitte sieh es mir nach dass ich das Thema hier mit einbringe – aber ich glaube wir kommen nicht daran vorbei: ist das Thema künstliche Intelligenz, KI. Aus deiner Sicht: wie geht OPERATON damit um?

Felix Lerche: Wie seht ihr das? Ist KI unweigerlich etwas was zur Modellierung, zu BPMN dazu gehören wird?

Tim Zöller: Ich würde einfach mit der letzten Frage anfangen: ich persönlich sehe eigentlich einen großen Vorteil an der Prozessmodellierung, dass man wenn man einen Prozess modelliert über den Prozess spricht. Ich habe schon sehr, sehr erfolgreiche Workshops gerade im Finanzumfeld gemacht mit sehr, sehr komplexen Prozessen.

Tim Zöller: Da ging es um Vollmachtenverwaltung in Unternehmen mit verschiedenen Vollmachtsberichtigten, verschiedene Vollmachtsarten. Und dann fängt man halt so einen Workshop an und hat einfach ein komplett weißes BPMN-Modell vor sich und sagt: okay, jetzt erzählt mal, wie läuft denn dieser Prozess heute? Wie sieht er denn aus?

Tim Zöller: Und dann fängt halt jemand aus von der Sachbearbeiter an und sagt okay, also das läuft jetzt so und so und dann kommt jemand von den Businessanalysten und sagt: ja Moment, aber das Prozesshandbuch sagt ja eigentlich es sollte so und so laufen. Und dann sagt jemand aus der Rechtsabteilung: um Gotteswillen so läuft das, so darf das doch gar nicht laufen.

Tim Zöller: Und man kommt also über die Modellierung in das Gespräch über diesen Prozess. Man findet direkt schon Ungereimtheiten, man findet direkt schon unterschiedliche Erwartungshaltung der verschiedenen Stakeholder und ich fände es einfach sehr, sehr schade wenn man diesen Prozess irgendwie für eine Generierung von Modellen irgendwie überspringen.

Tim Zöller: Dass man sagt: man generiert dieses Modell aus Fließtext, weil ich das Gefühl habe wenn dann so ein Tool so einen ersten Wurf von so einem Modell erstellt und das ist die Diskussionsgrundlage, dann verpasst man schon sehr, sehr viel vom eigentlichen Mehrwert. Von daher würde ich sagen auf Modellierungsebene: es kann bestimmt Use Cases geben.

Tim Zöller: Um Regeltätigkeiten, um Bulk-Updates auf einer ganzen Kategorie von Prozessen oder sowas zu erledigen, aber ich fände es sehr, sehr schade wenn das eigentliche Reden über die Prozesse darüber verschwinden würde. Modelle als Kommunikator – ich glaube deine Historie bei itemis.

Karsten Thoms: Genau, das ist mein Steckenpferd gewesen, wir haben ja jahrelang modellgetriebene Softwareentwicklung gemacht und dann ging es und die Erstellung von domänenspezifischen Sprachen. Letzten Endes ist BPMN auch eine domänenspezifische Sprache, also klar.

Karsten Thoms: Also ich mag es halt wenn Dinge weit genug formalisiert werden können dass sie auch ausführbar werden und das ist letzten Endes BPMN. Ich möchte aber noch trotzdem auf das Thema KI jetzt noch mal kurz zurückkommen und zwar ich sehe da eben halt auch noch andere Aspekte für KI und zwar nicht unbedingt in der Engine selbst.

Karsten Thoms: Also wir müssen halt überlegen: wie stark lassen wir uns von solchen Sachen eben beeinflussen was jetzt das Kernprodukt angeht? Und ich glaube im Kernprodukt brauchen wir selbst KI nicht. Aber so ein Prozess lebt ja davon dass eben bestimmte Dinge auch automatisch passieren.

Karsten Thoms: Es gibt zum Beispiel dann eben halt die Notwendigkeit eine E-Mail zu versenden oder etwas einen Entscheidungsprozess zu machen auf Basis von irgendwelchen Input-Parametern und letzten Endes kann man dort natürlich auch sagen: dieser Prozess wird eben durch KI unterstützt. Die Formulierung einer personifizierten E-Mail kann man einer KI überlassen.

Karsten Thoms: Die Entscheidung zu treffen auf Basis von von Eingaben welche Ausgaben zu produzieren in einem Prozessschritt kann man einer KI überlassen. Das natürlich. Und das bedeutet auch dass wir gar keine Änderung eigentlich an dem Projekt selbst irgendwie brauchen außer dass wir vielleicht eine spezialisierte Art von Service-Task dann eben halt bereitstellen würden.

Karsten Thoms: Dass halt eine Adaptation an LLM halt anbinden könnte. Ich sehe KI aber durchaus auch noch auf einer anderen Ebene und zwar in dem Prozess-Mining. Das heißt also wir führen ja sehr, sehr viel Prozesse aus und da steckt echt viel Wissen darüber über die Prozesse und viele Daten.

Karsten Thoms: Es gibt ja zum Beispiel das Enterprise Produkt Optimize, wo auch dargestellt wird: wo gibt es irgendwie Schwachstellen in den Prozess, wo sind Hotspots und so weiter. Und letzten Endes kann eine KI auch durchaus diese Prozesse verstehen und auf Basis der Informationen historischer Prozesse auch lernen.

Karsten Thoms: Wo diese Hotspots sind und auch durchaus vorschlagen: wie könnte man den Prozess vielleicht verändern um eine Optimierung durchzuführen? Also an dieser Stelle sehe ich KI-Einsatz und ein Mittel könnte dort eben halt auch sein dass man auch mit der Engine über LLMs halt reden kann.

Karsten Thoms: Das heißt also dass wir in irgendeiner Form mal einen sogenannten Model Context Protocol Server anbieten. Das heißt also dass man OPERATON ermöglichen dass LLMs mit der mit OPERATON reden können um bestimmte Dinge herauszufinden, um dann das Ganze dann wieder über LLMs Agenten und sowas nutzbar zu machen.

Karsten Thoms: Also an der Stelle sehe ich durchaus KI, aber das ist sehr, sehr minimalinvasiv zu OPERATON selbst.

Felix Lerche: Tim hatte gerade angesprochen dass KI eine wichtige Entwicklung ist. Der Hauptzweck von BPMN, von dem Explizitmachen, dem Modellieren von Prozessen natürlich die Kommunikation ist.

Felix Lerche: Wie siehst du das? Wird KI und werden solche Möglichkeiten in natürlicher Sprache dann damit zu interagieren, wird das die Trennung zwischen dem Business, dem organisatorischen Layer und dem Entwickler, der IT – wird das diesen Spalt vergrößern oder wird es dafür sorgen dass beide näher aneinander rücken können? Hast du eine Meinung dazu?

Karsten Thoms: Ich glaube das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich beantworten. Ich denke mal Tim hat da mehr Erfahrung und würde da eine Meinung haben.

Tim Zöller: Ich glaube das wird relativ neutral verlaufen. Ich glaube die Organisationen die es heute schon schaffen über BPMN ein sehr, sehr gutes Verständnis zwischen Fach und IT – was ja eigentlich immer mehr zusammenrückt. Ich habe es jetzt mal in Anführungszeichen gesetzt in Ermangelung von einem besseren Begriff, ne?

Tim Zöller: Aber es wächst ja eigentlich immer mehr zusammen und die Unternehmen die das heute schon schaffen, die werden sehr wahrscheinlich auch wenn sie auf irgendeine Art mit KI mit diesen Prozessen zusammenarbeiten werden das glaube ich beibehalten können. Ich habe aber auch schon Unternehmen gesehen wo trotz BPMN als gemeinsamer Sprache die IT und das Fach einfach nicht die gemeinsame Sprache gesprochen haben.

Tim Zöller: Und ich glaube da wird auch wahrscheinlich mit LLM dazwischen die gemeinsame Sprache wahrscheinlich auch künftig nicht gefunden werden. Das sind einfach organisatorische, soziale und auch prozessuale Themen die in Unternehmen stimmen müssen und die sehe ich eigentlich als technikunabhängig.

Felix Lerche: Wenn wir jetzt mal schauen – wir haben jetzt viel heute gehört über OPERATON, über das Projekt, stark Community getrieben. Wie adressiert das Ökosystem rund um OPERATON und OPERATON selbst denn die Anforderungen von Enterprise Kunden?

Felix Lerche: Wir haben schon ein bisschen was gehört zum Thema Migration, zum Thema Schnittstellen, Integration. Du selbst hast dieses Jahr auch noch mal neu gegründet mit OTOS und du hast auch schon gesagt es gibt kommerzielle Partner vom OPERATON Projekt, die Services drumrum anbieten. Ist das der Weg um auch das Vertrauen für Enterprise Kunden zu schaffen und zu sagen: das ist eine zusätzliche Komponente, die ist wichtig?

Tim Zöller: Ja absolut. Das ist tatsächlich dadurch dass Camunda 7 in Deutschland sehr, sehr stark im Banken- und Versicherungsumfeld eingesetzt wurde laufen da natürlich auch sehr, sehr harte Vorgaben, teilweise regulatorische Vorgaben wie so eine Engine zu betreiben ist.

Tim Zöller: Und viele sagen: wenn niemand da ist den wir anrufen können wenn das bei uns auf einmal ein Bug hat, stehenbleibt, Sicherheitslücke hat, dann dürfen wir das gar nicht einsetzen. Vielleicht auch eine Compliance Anforderung, dass es einfach Teil des Regelwerks ist und man sagt da kommen wir nicht dran vorbei.

Tim Zöller: Genau. Und ein großes Vorbild – ich habe mit einem Bekannten gesprochen so zum Thema Open Source, was die so einsetzen und wie sie das mit dem Support regeln und der hat mir erzählt von einem Anbieter der ihnen Support für PostgreSQL bietet.

Tim Zöller: PostgreSQL ist ja auch eigentlich ein freies Open Source Projekt, da steht ja auch keine Firma dahinter die PostgreSQL GmbH die den Support bietet. Und die haben einfach gesagt: na ja wir haben Contributoren bei PostgreSQL drin. Wenn da was aufkommt können wir sicherstellen dass wir Bugfixes, Security-Patches schnell ins Produkt bekommen und releasen können.

Tim Zöller: Und damit gehen sie halt hin und sagen gut damit können wir eigentlich auch Support für Unternehmerkunden anbieten und denen die Sicherheit geben dass wenn da ein Problem ist dass sich schnell jemand drum kümmert. Klar man kann natürlich immer hingehen und sagen: hier liebes Open Source Projekt, ich habe hier ein Bug, man stellt ein GitHub Issue ein, aber es gibt halt keine Garantie dass jemand das in einem angemessenen Zeitraum umsetzt.

Tim Zöller: Und das war von Anfang an glaube ich auch in der Community ein Konsens dass wir sowas ermöglichen wollen. Die Trademark Ausgestaltung wird so sein dass es auch jeder anbieten darf, das passiert ja auch heute schon dass es mehrere Anbieter gibt die das tun. Die kann man alle auf der Service Provider Seite von operaton.org finden.

Tim Zöller: Und das wird gut angenommen. Wir haben gute Gespräche und wir kriegen gerade von vielen signalisiert dass das für sie komplett in Ordnung ist, reden auch mit Leuten die im KRITIS-Bereich sind die noch mal ein paar mehr Anforderungen haben so aktives Security-Monitoring und sowas und das kann man als Dienstleister dann anbieten.

Tim Zöller: Dann trägt der Dienstleister natürlich auch gewisse Risiken und muss dafür sorgen dass die Versprechen auch eingehalten werden können. Also wenn jetzt morgen jemand eine Firma gründet die nichts mit dem Projekt zu tun hat und sagt ich biete jetzt hier ein Servicevertrag und wenn Bug kommt dann kann der eigentlich nichts tun, ist das natürlich eher eine wacklige Geschichte.

Tim Zöller: Aber theoretisch dürfte das jeder tun und da haben wir auch keine rechtliche Handhabe gegen oder keine geplant um einzelnen Leuten zu verbieten das zu tun.

Karsten Thoms: Ich glaube das muss man in Deutschland auch mal oder grundsätzlich erst mal mehr verstehen: viele suchen halt immer diese Sicherheit indem sie sagen ich habe hier ein Unternehmen, das kann ich ansprechen. Mit diesem einen Unternehmen kann ich einen Vertrag abschließen und das sorgt dafür dass dieses Produkt eben weiterentwickelt wird.

Karsten Thoms: Aber was ist wenn das eine Unternehmen sich entscheidet es halt nicht weiter fortzuführen, was eben ja jetzt gerade passiert ist? Dann hat man halt damit ein Problem. Technologische Sicherheit, Rechtssicherheit, da sind natürlich viele Dimensionen die Unternehmen motivieren das sicherzustellen.

Karsten Thoms: Und man sollte es nicht als Schwäche sondern einfach als Stärke verstehen dass es ein Netzwerk gibt von verschiedenen Unternehmen die alle sagen: ja wir bieten diese Dienstleistung an. Also wenn du Unterstützung brauchst dass du sicherstellen musst dass Releases in einer gewissen Zeit passieren.

Karsten Thoms: Dass auf bestimmte Fehler die die man selbst identifiziert hat auch reagiert wird und die behoben werden, also richtige Service Level Agreements – sowas kann man mit den Service Providern abschließen. Also wir haben mittlerweile Netzwerk, das kann sogar 24 Stunden Support anbieten wenn man es halt braucht. Kostet natürlich entsprechend, aber es ist möglich.

Karsten Thoms: Also wir haben mittlerweile Netzwerk in ganz Europa, weltweit ist noch ein bisschen übertrieben, aber wir haben Nutzer in auf der ganzen Welt. Partnerschaften die sich formieren. Und wirklich Partnerschaften: wie jetzt OTOS und itemis. Wir werden zusammenarbeiten, wir haben auch unterschiedliche Spezialisierungen.

Karsten Thoms: Und wir brauchen auch nicht vorgaukeln dass wir ein Unternehmen sind das alles beherrscht, von der Prozessberatung bis hin zum Betrieb – das müssen wir nicht tun, sondern dieses Netzwerk bietet alles. Es gibt Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Karsten Thoms: Und was man eben halt als Anwender machen kann ist zu sagen: ja gut, ich suche mir einen dieser Dienstleister aus und oder meinetwegen auch mehrere, aber vielleicht möchte ich genau einen haben der Generalunternehmer ist und der sorgt dafür dass eben halt alle herangezogen werden die es braucht um die Dienstleistung die eigentlich der Kunde wünscht zu erbringen.

Karsten Thoms: Und das werden wir eben halt auch machen können.

Felix Lerche: Wenn wir jetzt noch mal schauen die nächsten drei Jahre: ich glaube es war ein intensives Jahr, ein erfolgreiches Jahr, aber in den nächsten drei Jahren: was wäre dein größter Wunsch an die Community? Was muss passieren damit du deinen jetzigen Traum von wie sich dieses Projekt weiterentwickelt damit das auch realisiert wird?

Karsten Thoms: Es ist relativ konkret. Es muss eine zunehmende große Community aufgebaut werden, wo es für die wirklich echt vielen Anforderungen die es in dem Projekt gibt unterschiedliche und nicht nur eine Personen gibt, die sich wirklich echt dafür verantwortlich fühlt etwas voranzutreiben.

Karsten Thoms: Für jede Funktionalität die wir haben brauchen wir Spezialisten. Wir brauchen Menschen die sich mit den Datenbanken auskennen, wir brauchen Menschen die sich mit den Tests auskennen, wir brauchen Menschen die sich mit Release-Prozessen auskennen. Wir müssen halt zusehen dass wir verlässlich und planbar werden.

Karsten Thoms: Dass wir ein Produkt herstellen das – wo Unternehmen wissen was sie in bestimmten Zeiträumen erwartet, wann sie bestimmte Dinge zu tun haben und was sie dazu tun haben. Wir brauchen Menschen die sich in das Projekt einbringen um anderen wiederum zu helfen in das Projekt einzusteigen.

Karsten Thoms: Wir brauchen Menschen die ein Qualitätsbewusstsein mitbringen um mit zu entscheiden was an Änderung ist gut für das Projekt und was ist nicht gut oder nicht ausreichend gut und wie verbessert man das Ganze? Das heißt also wir brauchen einfach eine stabile Community die dafür sorgen kann dass wir in regelmäßigen Abständen die wir dann wirklich auch planen können.

Karsten Thoms: Wir reden gerade darüber wie jetzt diese Abstände sein können, das müssen wir noch entscheiden. Aber dass es wirklich planbar wird: wann kommt denn jetzt das nächste Release? Was wird da drin sein? Aber auch wenn bestimmte Dinge passieren dass man halt Security Updates machen muss dass das zeitnah passieren kann und released wird und entsprechend publiziert wird.

Karsten Thoms: Und letzten Endes brauchen wir sehr, sehr viele Menschen die sich dafür begeistern können. Wir treiben das jetzt mit großer Leidenschaft mit den verfügbaren Ressourcen. Wir haben dafür echt eine Menge auf die Beine gestellt, aber wir wollen das natürlich jetzt immer weitertreiben.

Karsten Thoms: Wir wollen zusehen dass wir diese Community halt aufbauen und immer mehr Leute wie uns finden die den gleichen Mindset haben: Dieses Produkt ist gut, ich habe eine Idee wo es sich hinentwickeln kann, ich möchte dabei helfen und ich selbst habe einen hohen Qualitätsanspruch und kann diesem Projekt auch helfen.

Felix Lerche: Also ich glaube das Herzblut und die Leidenschaft für das Projekt und für Softwarequalität die spürt man in jedem Atemzug. Tim was macht dich – was bewegt dich wenn du zurückguckst auf das Projekt was bis hierhin geschaffen worden ist?

Felix Lerche: Ist da auch ein bisschen Stolz dabei wo jetzt angekommen seid? Oder ist es eigentlich nur: oh da stehen wir eigentlich noch vor ein paar großen Aufgaben und wir müssen noch einiges bewegen? Was überwiegt?

Tim Zöller: Es hält sich glaube ich ganz gut die Waage. Stolz – ich würde fast schon eher sagen einfach ein bisschen Erleichterung dass der Plan aufgegangen ist jetzt jetzt schon bis hierhin. Also es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her.

Tim Zöller: Und wie gesagt wir waren halt am Anfang einfach drei Leute die gesagt haben wir machen jetzt einfach mal diesen Fork auf die naivst mögliche Art und Weise: wir machen die Umbenennung, alles was Camunda hieß heißt jetzt OPERATON in diesem Repository und wir veröffentlichen das jetzt mal.

Tim Zöller: Und hoffen dass Leute kommen die uns helfen weil zu dritt wäre das halt alles nicht gegangen, definitiv nicht. Von daher da so ein bisschen Stolz, mehr Erleichterung dass das funktioniert hat, dass wirklich sich genug Leute gefunden haben die gesagt haben ja die Vision teilen wir.

Tim Zöller: Die Blick in die Zukunft ist dann weniger du hast jetzt so ein "uff" was da noch kommt, sondern eigentlich eher so ein – ich bin sehr, sehr guten Mutes dass wir dann einen guten Weg finden. Also ich habe eine sehr, sehr große Überzeugung dass das Projekt weiterhin einen guten Weg gehen wird.

Tim Zöller: Und ich bin mir sehr, sehr sicher dass mit den Leuten die wir jetzt haben und die Leute die noch dazu kommen werden auch diesen Weg fortsetzen werden. Also die Community ist jetzt schon in einem Zustand wo ich sage das kriegen wir hin und es ist eher so eine Art freudige Erwartung was alles kommen wird und wie sich das ausgestalten wird.

Felix Lerche: Ich glaube wir haben heute eines ganz deutlich gesehen: Camunda 7 mag offiziell End of Life sein, aber die Idee dessen und die Prinzipien dessen, offen, transparent für Entwickler gedacht zu arbeiten lebt weiter und die Prinzipien die Camunda 7 groß gemacht haben die werden durch OPERATON fortgeführt.

Felix Lerche: Das ist glaube ich klar geworden und das Schöne ist: es ist erst der Anfang. Am 21. November feiern wir zusammen die Release-Party, wir auch wieder in Dortmund im Lensing Media Port bei uns und freuen uns sehr darauf nach Monaten von Refactoring und Testing.

Felix Lerche: Karsten ist OPERATON jetzt bereit für den großen Sprung und der Zeitpunkt ist geschafft. Und wir freuen uns sehr auch Gäste von allen Teilen Europas hier begrüßen zu dürfen bei uns, die an dieser Idee teilhaben wollen freie zukunftssichere Prozessautomatisierung mit uns zu feiern.

Felix Lerche: Es wird Community-Talks geben, es wird Pizza geben, es wird viel Technik geben, aber es wird auch glaube ich viel Fachsimpeln zu Strategie, Zukunftssicherheit geben. Da freuen wir uns sehr drauf.

Felix Lerche: Ich möchte mich ganz herzlich bedanken bei euch für die spannenden Einblicke die ihr uns gegeben habt und freue mich schon drauf wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen. An alle die zugeguckt haben, die uns treu die Stange halten vielen Dank und bis zum 21.11. Dankeschön!

Karsten Thoms: Dankeschön!

Tim Zöller: Dankeschön!